im
Biologie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12
Die
Zucht des Deutschen Boxers unter besonderer Berücksichtigung der Weißscheckung

Elsa
von der Burg Medinghoven 215701
Vorgelegt
von
im
April 2001
I.
Einleitung
II. Hauptteil
1.
Der weiße Boxer im Wandel der Zeiten
1.1.
Ahnen des Deutschen Boxers
1.2.
Geschichte des weißen Boxers
1.3.
Heutige Situation des weißen Boxers
2.
Farbgenetik
2.1.
Erbgang der weißen Farbe
2.2.
Biochemische Entstehung der weißen Farbe
3.
Zusammenhang zwischen der weißen Farbe und gesundheitlichen
Problemen
3.1. Allgemein
3.2. Taubheit und Blindheit
III.Schluss
IV.Literatur- und Quellenverzeichnis
I. Einleitung
In der Boxerzucht nimmt die Zahl der
zuchtfähigen Tiere immer mehr ab, da zunehmend wegen Gesundheitsproblemen
selektiert werden muss.
Ein Deutscher Boxer, der heute in die
Zucht eingehen soll, muss auf Hüftgelenksdysplasie (HD), kongenitale Herzerkrankungen,
Spondylose und Kryptorchismus untersucht werden. Außerdem muss er eine
Zuchtzulassung, in der das Wesen und der Formwert geprüft wird, und eine Ausdauerprüfung
bestehen. Hunde, bei denen mehr als ein Drittel der Körperfarbe weiß ist,
werden nicht zur Zucht zugelassen. Wie es dazu kam und ob dies heute noch
sinnvoll ist, soll in dieser Arbeit erläutert werden.
Die Zahl der Tiere, die nach dieser
Auslese übrig bleibt, wird immer geringer, was sich auch in dem starken Rückgang
der Teilnehmer an den Zuchttauglichkeitsprüfungen (ZTP) wiederspiegelt (1998:
663 Teilnehmer, 1999: 528 T., 2000: 467 T.) (Daten aus Zuchtbuch 1998, S.137
und Stöhler, Zuchttauglichkeitsprüfungen, Boxer-Blätter 2/2001, S.89). Dies
schränkt den Genpool, der durch einen verhältnismäßig hohen Inzuchtgrad sowieso
schon seh0r klein ist, noch mehr ein. Durch die Einführung der
Zuchtwertschätzung für HD und Kryptorchismus im Laufe des Jahres 2000 wird
bereits versucht, eine übermäßige Selektion zu verhindern.
Es wäre unter diesen Umständen
überlegenswert, die Zuchtpopulation des Deutschen Boxers zu vergrößern, indem
man gesunde weiße oder gescheckte 0Boxer, d.h. Hunde, bei denen die Grundfarbe
durch mehr als ein Drittel Weiß verdrängt wird, mit in die Zucht nimmt. Der
Einfachheit halber wird im weiteren Text nur von Weißen gesprochen werden,
obwohl damit auch die Schecken gemeint sein werden.
In dieser Arbeit wird nun zuerst die
Herkunft und Historie des weißen Boxers e0rläutert.
Im zweiten Kapitel wird dann das Thema
behandelt, wie die weiße Farbe entsteht und vererbt wird, um schließlich zum
vermeintlichen Zusammenhang zwischen dem Weißscheckungsgen und gesundheitlichen
Problemen insbesondere der Taubheit zu kommen.
II. Hauptteil
1.
Der weiße Boxer im Wandel der Zeiten
1.1.Ahnen des Deutschen Boxers
Die Vorläufer des heutigen Deutschen
Boxers waren vor allem der Brabanter Bullenbeißer, auch Bärenbeißer genannt,
und die englische Bulldogge.
Der Brabanter Bullenbeißer war ein Jagd-
und Hetzhund, der die „ Bären hin und her zwacken [mußte], [...], bis die Hunde
müde und die Herrschaft überdrüssig [wurde]...“.
Er war mittelgroß, hatte eine breite Brust
und einen kurzen dicken Kopf, eine „kurz aufgeworfene Nase“, kupierte Ohren und
Vorbiss. Ihre Farbe war meistens „gelblich oder braunstreifig“ (also gestromt)
und „schwartz umb das Maul“. (alle Zitate aus: Räber, Enzyklopädie der
Rassehunde, 1993, S.409 nach Fleming, Der vollkommene Teutsche Jäger, 1719)
Immer wieder wurden englische Mastiffs in
die Bullenbeißer eingekreuzt (Räber, 1993, S.411).
Eine wichtige Rolle spielte außerdem die
englische Bulldogge, denn noch zu Beginn der planmäßigen Zucht des Boxers
wurden „englische Bulldoggen zu Boxern umfunktioniert“ (Räber, S.411). Von den
englischen Bulldoggen hat der Boxer das Weißscheckungsgen, was sich auch darin
wiederspiegelt, dass damals fast vollständig weiße Boxer „eine verzweifelte
Ähnlichkeit mit jenen Bulldogs [hatten], die seinerzeit in Deutschland auf
Ausstellungen zu sehen waren“ (Räber, S.411 nach Strebel, Die deutschen Hunde,
1905). Dunkle Hunde dagegen erinnerten mehr an den alten Bullenbeißer.
Als Stammeltern aller Boxer bezeichnet man
heutzutage Mühlbauer’s Flocki und Meta v.d. Passage.
Flocki war der Sohn von Tom, einem
englischen Bulldogrüden, und einer gescheckten Boxerhündin.
Meta war weiß mit dunklen Kopfplatten.
Ihre Eltern Piccolo v. Angertor und Blanka v. Angertor waren ebenfalls weiß.
Blankas Vater war der schon erwähnte englisch Bulldog-Rüde Tom. (Räber,
S.412+414)

Meta von der Passage Mühlbauer’s
Flocki
1.2.Geschichte des weißen Boxers
Führt man sich vor Augen, welch eine
wichtige Rolle die weißen Boxer in den Anfängen der Boxerzucht hatten (siehe
z.B. die Stammmutter der Boxer), fragt man sich natürlich, wie es dazu kommen
konnte, dass heute viele Menschen gar nicht wissen, dass sie überhaupt
existieren.
Der Chronik des Boxer-Klubs e.V. Sitz
München (BK) ist zu entnehmen, dass auf der Hauptversammlung (HVS) Anfang 1927
beschlossen wurde, schwarze und „weiße Scheckenboxer, deren Grundfarbe als Weiß
zu bezeichnen ist, nicht mehr [einzutragen].“(Stockmann, Chronik des BK, BB
5/95, S. 448)
1934 aber wurde dieser Beschluss
zurückgenommen, nachdem Frau Stockmann, die die Boxerzucht mit ihrem Zwinger
„v. Dom“ entscheidend beeinflusst hat, sich „vehement für die Schecken eingesetzt
[hatte]“ (Räber, Enzyklopädie der Rassehunde, 1993, S.415). 1933 schrieb sie in
den Boxer-Blättern, dass Typ und gesundes Gebäude wichtiger seien als die
Farbe, und über den Begriff „Schönheit“ lasse sich ohnehin streiten. (Räber,
S.415) Auch andere Boxer-Liebhaber waren dieser Ansicht, so dass 1936 jemand in
den Boxer-Blättern schrieb: „Der Farbenfimmel hat unserem Boxer im Laufe der
Zeit bestimmt geschadet. Die Farbe des Boxers ist und bleibt
Geschmackssache,...“ (zitiert in Räber, S.415)
Dies verhinderte aber nicht, dass 1937 auf
der HVS in München „die Zahl der Scheckenboxer, die in einem Wurf aufgezogen
werden dürfen, [...] eingeschränkt [wurde]“ (Stockmann, Chronik..., S.461).
Anfang 1939 wurde die Reichsfachgruppe
„Deutsches Hundewesen“ zum selbstständigen Reichsverband erhoben. Damit war sie
fortan dem Oberkommando des Heeres unterstellt. Dies führte dazu, dass
Scheckenboxer verboten wurden. Am 1.Juli 1941 wurde dies noch ausgeweitet,
indem „Scheckenboxer sowie schwarze und weiße Welpen sofort nach der Geburt zu
töten sind“ (Stockmann, Chronik, S.465). Weiß oder Gescheckt ist nun einmal
keine gute Tarnfarbe für einen Militärhund. Die Schwarzen wurden aus der Zucht
genommen, weil sie von einem Schnauzer abstammten. Damit vertrat der Boxer-Klub
den Standpunkt, dass die schwarze Farbe „artfremd“ sei und von daher nicht
anerkannt werden könne.(Stockmann, Ein Leben mit Boxern, 1987, S.126)
Diese Bestimmung wurde nicht mehr
geändert, bis Ende der 70’er Jahre das neue Tierschutzgesetz herauskam, welches
unter anderem besagt, dass keine Wirbeltiere ohne triftigen Grund getötet werden
dürfen. Der Boxer-Klub versuchte noch gegen dieses Gesetz anzugehen, indem er
von Prof. Dr. Wegner ( Tierärztliche Hochschule Hannover) ein Gutachten darüber
einholte, „ob es aus genetischen und medizinischen Gründen vertretbar [sei],
dass Hundezüchtern geboten wird, weiße Boxerwelpen zu töten“ (Wegner, Kleine
Kynologie, 1995, S.273).
Prof. Dr. Wegner antwortete aber, „dass
[er] das Töten von Welpen aus rein farbformalistischen Erwägungen verurteile.
Die Weißscheckung beim Boxer [sei] mit keinen offensichtlichen Missbildungen
verknüpft“ (Wegner, S.274).
Infolgedessen werden seit dem 1.1.1979
weiße Welpen wieder in das Zuchtbuch eingetragen, dürfen aber nicht zur Zucht
eingesetzt werden.
1.3.Heutige Situation des weißen Boxers
Trotz des neuen Tierschutzgesetzes,
welches nun inzwischen seit gut 20 Jahren in Kraft ist, sieht man immer noch
nicht sehr viele weiße Boxer. Viele Menschen haben überhaupt noch nie einen gesehen.
Wie kann so etwas möglich sein, wenn doch bei einer Verpaarung, wo beide Eltern
farbig, aber dabei weißerbig sind, nach den Mendelschen Gestzen 25 % Weiße
fallen müssen (siehe Vererbung der weißen Farbe, Kap.2.1.)?
Dies ist damit zu erklären, dass viele
Züchter nur solche Paarungen vornehmen, bei denen erst gar keine Weißen fallen.
Ebenfalls ein großer Teil tötet sie immer noch direkt nach der Geburt mit dem
Hinweis im Zuchtbuch, dass sie lebensschwach gewesen wären. Andere behaupten
einfach, dass keine Weißen im Wurf gewesen wären.
Einige von den Züchtern, die Weiße
großziehen, beschränken dies aber nur
auf die Hündinnen, weil sich Rüden zu Kryptorchiden entwickeln könnten,
was die Mängelbelastung des Wurfes erhöhen würde.
Im Schnitt werden nur 21 % der Weißen, die
laut Zuchtbuch geworfen wurden, großgezogen (Zuchtbücher des BK). Tatsächlich
wird diese Zahl sicherlich noch etwas niedriger sein, weil man ja nicht genau
weiß, wie viele Weiße direkt nach der Geburt verschwinden. In unserem Zwinger
sind bis jetzt 8 Weiße gefallen, wovon 2 totgeboren sind, was auch der
„normalen“ totgeborenen und verendeten Rate beim Boxer entspricht, die im
Moment bei 26,5 % liegt (Gerwin, Das Zuchtgeschehen im Jahre 2000, BB 4/2001,
S. 243). Das heißt, dass mindestens 52,5 % der Weißen immer noch eliminiert werden.
Die Zahl der Weißen, die in das Zuchtbuch
eingetragen wird, nimmt allerdings seit 1979 kontinuierlich zu, wenn auch der
Prozentsatz immer noch sehr klein ist, wie der nachfolgenden Statistik über die
Anzahl weißer und farbiger zum Zuchtbuch gemeldeter Welpen von 1979 bis 1998 zu
entnehmen ist.
Aufteilung der zum
Zuchtbuch gemeldeten Welpen in Weiße und Farbige:
|
|
Farbig
|
Weiß |
Gesamt |
||
|
1998 |
2321 |
96,3 % |
88 |
3,7 % |
2409 |
|
1995 |
2691 |
98,5 % |
42 |
1,5 % |
2733 |
|
1990 |
2350 |
99,2 % |
18 |
0,8 % |
2368 |
|
1985 |
2668 |
99,9 % |
4 |
0,1 % |
2672 |
|
1979 |
3509 |
99,9 % |
4 |
0,1 % |
3513 |
(Daten aus
den Zuchtbüchern des BK aus den entsprechenden Jahren)
In der nächsten
Statistik kann man erkennen, dass etwas mehr Hündinnen großgezogen werden als
Rüden.
Verteilung
der Geschlechter bei den zum Zuchtbuch gemeldeten weißen Welpen:
|
|
Hündin |
Rüde |
|
1998 |
48 |
40 |
|
1995 |
24 |
18 |
|
1990 |
11 |
7 |
(Daten
aus den Zuchtbüchern des BK aus den entsprechenden Jahren)
Die Weißen dürfen nicht, wie schon gesagt,
zur Zucht eingesetzt und nicht auf Ausstellungen vorgeführt werden. Man kann aber
mit ihnen Prüfungen ablegen und sie seit 1996 auch auf Siegerprüfungen des
Leistungswesens führen. Schließlich dürfen auch Kryptorchide daran teilnehmen.
Bei der Deutschen Jugendmeisterschaft 2000
konnte der weiße Boxerrüde „Blanco v. Ochtenumdeich“ sogar den 3. Platz belegen
(Zawatzki, 2. Deutsche Jugendmeisterschaft 2000 in Oldenburg, BB 7/2000,
S.526).
2.
Farbgenetik
2.1.Vererbung der weißen Farbe
Die Farben beim Boxer werden nach den
Mendelschen Gesetzen vererbt. Der Boxer hat in jedem Fall eine Grundfarbe, die
entweder gelb oder gestromt ist, wobei gestromt dominant über gelb ist
(Schleger, Hundezüchtung in Theorie und Praxis, 1986, S.197). Von der
Grundfarbe unabhängig wird die weiße Farbe durch das Weißscheckungsgen weitergegeben,
das die Grundfarbe in unterschiedlichem Maße verdrängt; wenig weiß ist dabei
dominant über viel weiß (Schleger, S.199). Das Weißscheckungsgen wird autosomal
rezessiv vererbt, wobei das Gen für „Grundfarbe“ unvollständig dominant ist, so
dass Hunde, die heterozygot sind, weiße Abzeichen haben (Burns und Fraser, Die
Vererbung des Hundes, 1968, S.70). Wie ausgedehnt die weißen Abzeichen bei
einem heterozygoten Tier sind, ist verschieden. Der Grund dafür ist noch nicht
geklärt, man nimmt jedoch an, dass dies auf die
„Gegenwart modifizierender Gene“ zurückzuführen ist (Burns&Fraser,
S.70). Auf jeden Fall ist das Weiß zuerst an Brust und Pfoten zu finden, dann
an Bauch, Schnauze und Schwanzspitze. Wenn ausgedehntere weiße Abzeichen
vorhanden sind, dann umfassen sie die Läufe und breiten sich um den Hals aus
(Burns&Fraser, S.70).
Als Beispiel für die Vererbung der weißen
Farbe ist auf der nächsten Seite ein Stammbaum aus dem Boxerzwinger v.d. Burg
Medinghoven aufgeführt:
![]()
= Rüde =
weißer oder gescheckter Hund
![]()
= Hündin = farbiger Hund mit weißen
Abzeichen
![]()
= farbiger Hund fast ohne weiße Abzeichen
1. Wurf
![]()

![]()

Die Rezessivität des Weißscheckungsgens
ist in diesem Stammbaum leicht erkennbar, denn in dem ersten Wurf ist der
bekanntermaßen nicht weißerbige, also für „Grundfarbe“ homozygote Rüde „Baron
v. Schloß Fasanerie“ der Vater, welcher auch selber keinerlei weiße Abzeichen
aufweist. Wie zu erwarten fielen keine weißen Welpen. Interessanterweise hatten
aber die Welpen überwiegend ausgedehnte weiße Abzeichen (also weiße Läufe,
Halskrausen und viel weiß an Brust und
Kopf). Damit hatten sie mehr weiß, als die Welpen aus späteren Würfen, die aus
heterozygoten Verpaarungen kamen. Die Mutter dieses und des nächsten Wurfes
„Eika v. Bleibach“ hat ein Weißscheckungsgen, was man auch an ihrer Zeichnung
erkennt. Der Vater des zweiten Wurfes „Xerxes v. Markgrafenschloß“ ist ein
gelber Rüde mit weißen Abzeichen, der schon bewiesen hatte, dass er weiße
Welpen bringt. Es waren denn auch drei weiße Welpen in dem Wurf. Dies zeigt,
dass das Merkmal „weiß“ rezessiv ist, denn andernfalls hätte ein Elternteil
weiß sein müssen.
In allen fünf Würfen sind nur dann die
Welpen weiß, wenn sie von beiden Eltern ein Weißscheckungsgen bekommen haben.
Außerdem ist die Gesamtzahl der weißen Welpen in den letzten vier Würfen
zusammengezählt, wo die Eltern jeweils heterozygot sind, genau 25 %; das
entspricht der nach den Mendelschen Gesetzen zu erwartenden Häufigkeit.
Die Autosomalität ist in diesem Stammbaum
nicht ohne weiteres zu erkennen. Dennoch muss die Weitergabe des
Weißscheckungsgenes autosomal sein, denn wenn es ein x-chromosomaler
(=gonosomaler) Erbgang wäre, könnte kein Rüde farbig mit weißen Abzeichen sein,
da das y-Chromosom „genleer“ ist und auf dem x-Chromosomen dann lediglich ein
Gen für Grundfarbe bzw. für Weißscheckung liegt.
Im Wesentlichen bestimmen also zwei Gene
die Farbe des Boxers, wobei die Farbtöne, also z.B. von goldgelb bis braunrot,
nicht berücksichtigt sind.
Das Gen für
Grundfarbe hat die Allele G = gestromt und g = gelb.
Das Gen für Weiß hat die Allele S = kein
weiß und sw = weiß.
Es ergeben sich dann folgende Genotypen
und die dazugehörige Farben des Phänotyps:
|
Phänotyp |
Genotyp |
|
Gestromt ohne weiße
Abzeichen |
GG SS oder Gg SS |
|
Gestromt mit weißen
Abzeichen |
GG Ssw o.
Gg Ssw |
|
Weißschecke mit
Grundfarbe gestromt |
GG swsw
o. Gg swsw |
|
Gelb ohne weiße
Abzeichen |
gg SS |
|
Gelb mit weißen
Abzeichen |
gg Ssw |
|
Weißschecke mit
Grundfarbe gelb |
gg swsw |
Auf
dem folgenden Foto sind drei Hündinnen aus dem E-Wurf des

Zwingers „von der Burg Medinghoven“ zu sehen:
Ev Esca Esther
Ev ist eine Hündin
mit dem Genotyp „gg SS“, denn wie man sieht, hat sie lediglich an der Brust
etwas weiß. Diese Hündin wird damit nicht weißerbig sein.
Esca hat den
Genotyp „gg swsw “. Sie ist völlig weiß geboren worden,
mittlerweile hat sie aber über den ganzen Körper verteilt Pigmentflecken. Diese
Pigmentierung, die mit dem Älterwerden immer intensiver wird, ist auch bei farbigen
Welpen mit weißen Abzeichen zu beobachten, welche ebenfalls mit rosa Nasen
geboren werden. Im Laufe der Entwicklung färben sich die Nasen schwarz und ein
feiner Nasenstrich verschwindet in der Regel völlig. (siehe nebenstehendes
Welpenfoto)
Esther nun mit dem Genotyp „gg Ssw “
hat relativ viel Weißzeichnung und ist weißerbig.
Die Häufigkeit von Weißschecken bestimmt
sich nach den Mendelschen Gesetzen nach folgender Verteilung:
o.Abz. = farbig ohne weiße Abzeichen
m.Abz.= farbig mit weißen Abzeichen
|
|
Genotyp der Eltern |
Phänotyp der Eltern |
Genotyp der Welpen |
Phänotyp der Welpen |
|
1. |
SS und SS |
o.Abz. & o.Abz. |
SS |
100 % o.Abz. |
|
2. |
SS und Ssw |
o.Abz. & m.Abz. |
SS und Ssw |
50% o.Abz. u. 50%m.Abz. |
|
3. |
Ssw und Ssw |
m.Abz.&m.Abz. |
SS und Ssw und
swsw |
25 % o.Abz., 50 %
m.Abz. und 25 % weiß |
|
4. |
swsw
und SS |
weiß & o.Abz. |
Ssw |
100 % m.Abz. |
|
5. |
swsw
u. Ssw |
weiß & m.Abz. |
Ssw und swsw |
50 % m.Abz. u. 50% weiß |
|
6. |
swsw
u. swsw |
weiß & weiß |
swsw |
100 % weiß |
(vgl. Pariseau, The Inheritance of Marking
Pattern in the Boxer Breed, 1998)
Im Moment werden lediglich nach den ersten
drei Möglichkeiten Paarungen vorgenommen.
Man beachte, dass bei Möglichkeit 4. trotz
eines weißen Paarungspartners nur farbige Boxer fallen werden.
Wie man sieht, kann man die
Wahrscheinlichkeit, wie viele Welpen o.Abz., m.Abz. oder weiße in einem Wurf
liegen werden, genau vorhersagen.
Deshalb ist eine Statistik über die
Häufigkeit weißer Nachkommen bei einem Rüden nicht sehr aussagekräftig. Wenn
die Prozentzahl weißer Nachkommen bei weißerbigen Rüden unterschiedlich ist,
liegt dies nur daran, dass entweder besonders viele nicht-weißerbige Hündinnen
zu dem Rüden gekommen sind oder überdurchschnittlich viele weiße Welpen nach
der Geburt unterschlagen wurden. Außerdem kann man aus der Statistik ersehen,
dass bei Rüden mit vielen Welpen der Prozentsatz der Weißen ungefähr gleich
ist, weil bei ihnen in etwa die gleiche Anzahl der oben genannten Effekte
auftritt. Auch ist es eindeutig, dass Rüden, die nicht weißerbig sind,
bevorzugt eingesetzt werden, denn von den 11 hier abgedruckten Rüden sind 5
nicht weißerbig. Das sind fast 50 %, obwohl bei einem Wurf, wo beide Eltern
farbig aber dabei weißerbig sind, nur 25 % nicht weißerbige Hunde fallen.
Als Verdeutlichung ist auf der nächsten
Seite eine Tabelle, welche aus den Daten des Computerauszuges vom 21.12.00
(veröffentlicht in den BB 1/2001, S.12/13) zusammengestellt ist. Es sind in folgender
Tabelle allerdings nur die Rüden berücksichtigt, welche mehr als 170 Welpen
haben.
Name des Deckrüden |
ZB-Nr. |
Welpen Anzahl |
Weiße
%
|
|
|
Peter v. Kiliansblick |
191840 |
202 |
28 |
13,9 |
|
Ibsen von der Sembacher Flur |
195218 |
618 |
66 |
10,7 |
|
Boy v. Hochwald |
195310 |
391 |
- |
- |
|
Portus von der Friesenperle |
197741 |
173 |
- |
- |
|
Robin von Maximilian |
199343 |
213 |
31 |
14,6 |
|
Gito du Clos de Maix |
200646 |
539 |
- |
- |
|
Fausto von Santana |
201262 |
244 |
26 |
10,7 |
|
Buddy von Süd-West |
204294 |
197 |
- |
- |
|
Roy van Sapho’s Hoeve |
205121 |
190 |
22 |
11,6 |
|
Plato van de Hazenberg |
B-666784 |
557 |
- |
- |
|
Urban van de Hazenberg |
B-770420 |
187 |
17 |
9,1 |
Das einzig interessante also, was man in solch einer Tabelle sieht, ist,
ob der Rüde überhaupt weiß vererbt oder nicht. Wenn er weiß vererbt, vererbt er
immer gleich viel. Nämlich mit einer nicht-weißerbigen Hündin gar keine und mit
einer weißerbigen Hündin 25 % Weiße.
2.2.Biochemische Entstehung der weißen
Farbe
Die weiße Farbe beim Hund ist auf
verschiedene biochemische Vorgänge zurückzuführen, d.h. es gibt verschiedene
Ursachen, warum ein Hund weiß aussieht.
Träger der Farbe ist das Pigment, dessen
chemische Grundlage das Melanin ist. Das Melanin entsteht durch oxydative
Reaktionen unter Mithilfe des Enzyms Tyrosinase aus der Aminosäure Tyrosin.
Fehlt also eines der beiden
Reaktionspartner, Tyrosin oder Tyrosinase, kann keine Färbung zustande kommen.
Hunde, denen die Aminosäure Tyrosin fehlt,
sind Albinos, denn sie können, selbst wenn die Tyrosinase vorhanden ist, kein
Pigment ausbilden. Solche Hunde haben rote Augen, da der stark durchblutete
Augenhintergrund durchscheinen kann.
Ist keine Tyrosinase vorhanden, kann
lediglich ein kleiner Teil des Tyrosins durch andere Mechanismen zu Melanin
oxidiert werden. Dies ist aber auf das Auge beschränkt, so dass solche Tiere
blaue Augen haben und ansonsten natürlich strahlend weiß sind.
Welche biochemischen Mechanismen die
Weißscheckung verursachen, ist bisher nicht bekannt. Man vermutet jedoch, dass
„ein lokal begrenzter Tyrosinasemangel für die weißen Abzeichen verantwortlich
ist.“ (Schleger, Hundezüchtung in Theorie und Praxis, 1986, S.199)
Auf gar keinen
Fall jedenfalls sind die weißen Boxer Albinos, denn sie haben dunkle Augen,
schwarze Nase und Lefzen und auf der ganzen Haut verteilt dunkle
Pigmentflecken. Teilweise haben sie sogar große gelbe oder gestromte Platten.
3. Zusammenhang zwischen der weißen Farbe
und gesundheitlichen
Problemen
3.1.Allgemeines
Ob die weißen
Boxer anfälliger für Krankheiten und Allergien sind, ist nicht bewiesen und
kann im Moment auch gar nicht untersucht werden, weil es da
zu viel zu wenig
weiße Tiere gibt.
Aus eigener
Erfahrung mit weißen Boxern kann gesagt werden, dass sie keineswegs kränker als
farbige Boxer sind. Die älteste weiße Boxerhündin aus unserem Zwinger ist
mittlerweile sechs Jahre alt und lebt in Südfrankreich, in einer Gegend also,
wo die Sonneneinstrahlung besonders hoch ist. Dennoch hat sie keinerlei
Hautprobleme.
Diese eigene
Erfahrung wird noch dadurch bestätigt, dass andere Rassen, die wie der weiße
Boxer das Weißscheckungsgen haben, wie z.B. der Dalmatiner oder Bullterrier
(Juraschko, Populationsgenetische Untersuchung der kongenitalen Taubheit beim
Dalmatiner, 2000, S.25), auch nicht besonders krankheitsanfällig sind. Der
Bullterrier gilt sogar als besonders widerstandsfähig (Burns&Fraser, Die
Vererbung des Hundes, 1968, S.204).
Der Dalmatiner hat
eine Besonderheit im Purinstoffwechsel, wodurch er zu Harnsäuresteinen neigt.
Diese Besonderheit hat aber keine andere Rasse. (Wegner, Kleine Kynologie,
1995, S.147)
Ein zweiter
„Fehler“ des Dalmatiners sind die manchmal auftretenden blauen Augen, ein- oder
beidseitig. Diese soll es auch gelegentlich bei weißen oder gescheckten Boxern
geben (Dietz, 02.01.2001), während bei farbigen Boxern keine Blauäugigkeit
bekannt ist (Rezewski, langjährige Zuchtleiterin im BK, 20.04.2001). Hunde mit
blauen Augen sollen eindeutig häufiger Augenanomalien haben und taub sein
(Wegner, Kleine Kynologie, 1995, S.247/248 und Juraschko, Populationsgenetische
Untersuchung ..., 2000, S.100/101). Deshalb haben Dalmatiner mit blauen Augen
Zuchtverbot. Ob allerdings das Gen für blaue Augen mit dem Weißscheckungsgen
gekoppelt ist, wird an der Tierärztlichen Hochschule Hannover gerade
untersucht. Zu der Taubheit bei Dalmatinern kommen wir im nächsten Kapitel.
Beim Boxer wurde
immer wieder versucht, die weiße Farbe herauszuzüchten, so z.B. in dem Zwinger
„Ben Satan“ von Dres. Menzel und in dem italienischen Zwinger „Virmar“. Die
Boxer zeigten aber „wegen der Abwesenheit [von] Weißträgern“ hohe
Qualitätsverluste bezüglich der Vitalität, des Types, des Knochenbaus und der
Farbe (Bosi, Die Farben vom Boxerfell und Brinkmann, Weißerbigkeit, BB 12/1996,
S. 966), so dass diese Versuche aufgegeben wurden.
3.2.Taubheit
Es hält sich
standhaft der Glaube unter den Boxerfachleuten, dass die weißen Boxer taub und
blind wären, wenn auch nicht alle, so doch der größere Teil. Warum dies so sein
soll, wird nirgends erläutert, man soll einfach akzeptieren, dass es so ist.
Außerdem bräuchte man sich nur den Dalmatiner anschauen, dann sähe man, dass es
wirklich so ist. Denn jeder muss zugeben, dass der Dalmatiner erstens das
Weißscheckungsgen, wie auch der Boxer, hat und zweitens ein nicht geringer
Prozentsatz dieser Rasse taub ist.
Nun wies
Hirschfeld aber schon 1956 durch Testpaarungen nach, dass „Taubheit und weißes
Fell, wenn überhaupt, keineswegs eng miteinander gekoppelt zu sein brauchen“
(Burns&Fraser, Die Vererbung des Hundes, 1968, S.101).
Dies wurde jetzt
in einer Dissertation, die im Jahr 2000 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover
geschrieben wurde, bestätigt. Dazu wurde mit Hilfe von
Varianzkomponentenschätzung und komplexen Segregationsanalysen Hörtestergebnisse
von Dalmatinern analysiert. Dabei wurde unter anderem die Beziehung zwischen
dem Merkmal kongenitale, sensorineurale Taubheit und Fell- und Augenfarbe,
Vorhandensein von Platten, Geschlecht, und dem Inzuchtkoeffizienten untersucht.
Als Ergebnis kam heraus, „dass das Allel sw, das in der Rasse
Dalmatiner genetisch fixiert ist, nicht für die kongenitale, sensorineurale
Taubheit verantwortlich gemacht werden kann“ (Juraschko, Populationsgenetische
Untersuchung der kongenitalen Taubheit beim Dalmatiner, 2000, S.105), d.h. die
Taubheit wird beim Dalmatiner unabhängig von der weißen Farbe vererbt. Es ist
aber eine signifikante Assoziation zwischen dem Auftreten von blauer Augenfarbe
und kongenitaler, sensorineuraler Taubheit gefunden worden (Juraschko, S.
100/101). Die Blauäugigkeit aber geht mit „Anomalien des Sehorgans, nämlich des
Augenhintergrundes“, einher (Wegner, Kleine Kynologie, 1995, S.248).
Es spricht sehr
viel dafür, dass es sich auch bei den Boxern ähnlich verhält. Außerdem haben
die englischen Bulldoggen, von denen, wie schon im ersten Kapitel gesagt, der
Boxer das Weißscheckungsgen geerbt hat, keine Gehörprobleme (Preston,
Geschäftsstelle des ACEB, 14.01.2001), obwohl bei dieser Rasse mit viel weiß
gezüchtet wird. Schon von daher mutet es einen sehr seltsam an, warum der weiße
Boxer, der ja ein Nachkomme der englischen Bulldogge ist, Gehörprobleme haben
soll. Bei weißen Boxern mit blauen Augen ist aber zu vermuten, dass sie möglicherweise
wie die blauäugigen Dalmatiner Probleme mit Augen und Ohren haben.
III. Schluss
Mit den
Erkenntnissen dieser Arbeit kann man sagen, dass eigentlich nichts dagegen
spricht, die Weißen zur Erweiterung der Zuchtbasis und damit auch des Genpools
mit in die Zucht zu nehmen. Wenn man kein Risiko eingehen möchte, könnte man
als ersten Schritt die Vorschrift erlassen, dass die Weißen nur mit nicht
weißerbigen Boxern gepaart werden dürfen, denn in solch einem Wurf werden nur
farbige Welpen fallen. Außerdem kann man das ganze Vorhaben unter wissenschaftlicher
Begleitung angehen, so dass von kompetenter Seite geklärt wird, welche positiven
oder negativen Einflüsse der weiße Boxer auf die Zucht hat.
Ich denke aber,
dass in dieser Arbeit gründlich mit den Vorurteilen aufgeräumt wurde, dass die
Weißen häufiger taub und blind seien und überhaupt kränker als die farbigen
Boxer. Die einzigen Hunde, die wahrscheinlich tatsächlich eher taub sind und
Augenanomalien haben, sind die weißen Boxer mit blauen Augen. Diese Tiere
sollte man deshalb auch weiterhin besser von der Zucht ausschließen.
Positive Effekte
würde die Zulassung von weißen Boxern zu Zuchtprüfungen und Zuchtschauen in
jedem Fall für die Nachzuchtkontrolle haben, denn auch weiße Boxer zeigen die
Mängel und Vorzüge ihrer Eltern. In manch einem Weißen sind die Vorzüge der
Eltern durch den genetischen Zufall eher ausgeprägt als bei seinen farbigen
Geschwistern.
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