Historie des weissen Boxers!Der ehemalige Präsident des französischen Boxerklubs Michel Pionchon schrieb im Boxerblatt zu diesem Thema u.a. folgendes:
"Aber ist denn die weiße Fellfarbe allein das einzige charakteristische dieser Außenseiter? Bei den selten belassenen Weißen stellt man unglücklicherweise fest, daß die beim Boxer angestrebten Eigenschaften bei diesen Tieren besonders ausgeprägt sind. Zum Beispiel sind sie immer von besonders gutem Formwert, mit einem gut gewinkelten Gebäude. Die Köpfe sind besonders typvoll mit gutem Oberkopf und Fang, die Augen dunkel (mit unausgefärbter Nickhaut), der Zahnstand kräftig und gerade. Es waren vielleicht all die Eigenschaften beim (ursprünglich auch weißen) Boxer, die mir den Anlaß gaben, zur Zucht dieser Rasse. Es schien mir unerläßlich, den Schleier zu lüften und offen über eine Situation zu reden, mit der jeder Züchter konfrontiert werden kann. Diese Auskunft, die aufrichtig und ehrlich gegeben wurde, zeigt dem Verantwortlichen eine Grundlage auf und sie können daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen"
Zur Historie des weissen Boxers haben Sie im Anschluss die Möglichkeit eine Facharbeit von Sabine Bauer zu downloaden. Sie beschäftigt mit der allgemeinen Geschichte des Boxers und insbesondere wird die Weissvererbung in der Boxerzucht erläutern . Ich halte diese Facharbeit für einer der Besten Arbeiten, die je über weisse Boxer geschrieben wurde. Nach meinen Informationen ist im Augenblick eine Untersuchung der Weissvererbung des deutschen Boxers an der Universität Hannover in arbeit. Diese Facharbeit sollte Pflichtlektüre für jeden Boxerfreund sein. Vielen Dank an Frau Doktor Bauer für die Möglichkeit der Veröffentlichung ihrer Arbeit auf meiner Website.

Hier: Institut für Tierzucht, Vererbungs- und Konstitionsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität zu München
Vorstand: Professor Dr. Dr. H. Bauer
IV Zuchtbücher
1) Bestimmungen, die den Zuchtbetrieb regeln. Diese wurden in der Hundezucht 1941 vom "Reichsverband für das Hundewesen"
unter Berücksichtigung der Sonderbestimmungen für jede Hunderasse verbindlich erlassen.
1934 wird vom "Reichsverband für das Deutsche Hundewesen" bestimmt, daß:
1) Nur noch 6 Welpen aus jedem Wurf in das Zuchtbuch eingetragen werden dürfen.
2) Der Reichsiegertitel bei Diensthunden nur an Hunde mit einem Abstammungskennzeichen vergeben werden darf.
1935 werden die kynologischen Vereine im "Reichsverband für das Deutsche Hundewesen" (RDH) zusammengefaßt und einheitliche Bestimmungen für die Zuchtbuchführung festgelegt.
Von der "Reichsfachgruppe für das Deutsche Hundewesen", die dem Oberkommando des Heeres unterstellt ist, wird 1938 bestimmt, daß keine Scheckenboxer und nur noch Würfe von Eltern, von denen mindestens ein Teil ein Ausbildungskennzeichen besitzt, in das Zuchtbuch aufgenommen werden dürfen.
1941 erschienen die allgemein verbindlichen Zuchtbestimmungen, die die Grundlage der Bestimmungen des Boxer-Klubs über das Zuchtwesen darstellen. Hiernach mußten Schecken, schwarze und weiße Welpen nach der Geburt sofort getötet werden, und Rüden mit Hodenmängeln gekennzeichnet und in die Liste der zuchtverbotenen Boxer aufgenommen werden.
Am 8. Juli 1947 erhielt die Gruppe München die Lizenzierung, die eine erfolgreiche Weiterarbeit der Geschäfts- und Zuchtbuchstelle ermöglichte
Chronik des Deutschen Boxerklub e.V
Eine sehr interessante Ansicht einer maßgeblichen Boxerkennerin!
Zu allem Übel wurde Anfang der fünfziger Jahre der Versuch unternommen, die Weißerbigkeit aus der Zucht zu verbannen. Weiße Abzeichen waren im Ausstellungsring verpönt. Die Kampagne sollte sich nicht vorteilhaft auf den Boxertyp auswirken. Man schaffte es natürlich verhältnismäßig schnell, den Anteil der Weißen auf einen niedrigen Stand zu bringen. Die mit Weißerbigkeit belasteten Rüden mussten einfach gemieden werden. Es machte sich aber bald ein Qualitätsabfall bemerkbar. Viele Hunde verloren an Typ, sie wurden substanzarm und feinknochig, sie zeigten einen fremdartigen Ausdruck vor allem durch schwach pigmentierte Masken.
Wie zu verfolgen ist, wurde die weiße Farbe in der Ursprungsmasse des Boxers von Anbeginn verankert. Auch die Erfahrung hat uns immer wieder gezeigt, dass die Welpen mit Weißbelastung nicht nur intensiver pigmentiert sind, sie sind ausdrucksvoller, substanzvoller und stärker im Knochenbau als ihre einfarbigen Geschwister. Hier haben wir es offenbar mit Koppelungen der Gene zu tun. So gesehen befindet sich die Boxerzucht ständig auf einer engen Gratwanderung. Einerseits sollen die vom Standard geforderten Kopfmerkmale Stirnabsatz und Vorbiss, die Vitalität und intensive Pigmentierung erhalten werden und auf der anderen Seite will man die anderen mit dem Bulldogblut verknüpften Merkmale wie übertrieben schwere Köpfe und lockere Gebäude meiden.
Fatalerweise sind gesundheitliche Probleme wie Atemschwierigkeiten und Störungen der Mobilität oft dann zu beobachten, wenn die Typmerkmale des Boxers ins Extrem getrieben werden. Es liegt an der Geschicklichkeit der Züchter, hier eine Balance zu finden. Das heißt einerseits soll die Verbreitung des Weiß in Grenzen gehalten werden und gleichzeitig sollen die im Standard geforderten mit der weißen Farbe offenbar gekoppelten positiven Typ-Merkmale des Boxers erhalten bleiben. Es liegt an der Geschicklichkeit der Züchter, dafür zu sorgen, dass die Ganzheit bezüglich Rassetyp, Gesundheit und Leistungsfähigkeit nicht aus dem Gleichgewicht kommt.

Entnommen von Fr. Karin Rezewskis Homepage