Vor über einhundert Jahren - 1896 - wurde in München der Deutsche Boxerklub gegründet. Man wollte den Boxer als Rasse erfassen und sich einen Überblick verschaffen und die Zucht in gelenkte Bahnen führen. Es war eine logische Folge, dass ein Zuchtbuch aufgelegt wurde. Die Zuchtbuchnummer 1 bekam "Mühlbauers Flocki", ein Schecke. Sein Vater - Tom - war ein weißer Bulldogrüde. Ein weiterer Urahne unserer Boxer war "Meta von der Passage" ZB.Nr.30. eine weiße Hündin mit gestromtem Fleck am Kopf. Ihr Großvater war ebenfalls Tom. Tom war ein hochgestellter Rüde ( Bulldoggen sahen damals noch um einiges anders aus als heute) und da man eben eine hochgestellte und edle Rasse wollte, wurde er auch sehr oft zur Zucht herangezogen. Meta brachte viele, für die Zucht sehr wertvolle Tiere. Eine große Rolle spielte auch " Mirzl" ZB.Nr.44 - eine gelbe Hündin.
Knapp nach der Jahrhundertwende wurde der Rassestandard erstellt. Es wurde die Anatomie, die Bemuskelung, das Wesen und der Charakter, mit einem Wort das gesamte Erscheinungsbild des "Idealboxers" festgelegt. Etwa in den 25er Jahren wurde die weiße Farbe aus der Zucht genommen.Da man sehr bemüht war, den Boxer als Diensthund anerkannt zu wissen, war natürlich weiß nicht von Vorteil und man erklärte weiß zu "Missfarben". Eine Fehlfarbe - basta!
Vergessen, dass ein Stammvater ein Weißer war - vergessen, dass eine ganz wichtige Stammmutter eine Weiße war und viele, für die Zucht wertvolle und schöne Tiere brachte. Die angeblichen Krankheiten der weißen Boxer, von denen man heute so oft spricht, konnten erstens, da ja immer ausgemerzt, gar nicht feststellen und wurden zweitens ganz einfach von reinweißen Rassen übernommen. Der Boxer ist aber keine "reinweiße" Rasse. Man musste sich ja "rechtfertigen" warum man gesunde weiße Welpen tötet - "ausgemerzt". Dass Taubheit und Hautkrankheiten bei Albinos oft vorkommen, wird nicht bestritten. Aber Albinos sind von Natur aus schon kränkliche Wesen. Ihnen fehlt jede Pigmentierung, leiden oft unter Taubheit und Hautkrankheiten. Sie sind an den roten Augen und dem rosa Nasenschwamm erkennbar. Weiße Boxer sind aber keine Albinos - sie haben nur einen Pigmentmangel. Weiße Boxer haben einen schwarzen Nasenschwamm, meist sehr dunkle Augen und am Fell irgendwo gelbe oder gestromte Flecken. Wenn nicht am Fell, dann sind zahlreiche schwarze Flecken auf der Haut. Diese weißen Flecken kann man auch oft in der Weißzeichnung von farbigeb Boxern erkennen. Man kann sie deutlich durch das Haarkleid sehen - besonders wenn sie nass sind.
Viele Jahre bemühte man sich, das Weiß durch Selektion und "Ausmerzen" aus der Rasse herauszuzüchten - mit sehr wenig Erfolg! Im Gegenteil, erfahrene Züchter werden bestätigen, dass weiße Boxer sehr typische Köpfe haben und meistens einen stärkeren Knochenbau. Außerdem kann jeder bestätigen, dass gerade die weißen Welpen in einem Wurf die kräftigsten sind.
Heute ist es erlaubt weiße Boxer aufzuziehen, aber nicht aus eigenem guten Willen und Toleranz, sondern weil es das Gesetz verbietet, gesunde Tiere zu töten. Aber sie sind weiterhin ein "Schandfleck" in der Zucht. Die Dunkelziffer der illegal getöteten weißen Welpen ist noch sehr hoch, denn es ist weder für den Rüden noch für die Hündin zuträglich aus einem Wurf mit weißen Welpen zu stammen. Zirka 20% aller geborener Welpen sind weiß!.
Die Weißerbigkeit kann man nicht - oder kaum - aus der Rasse heraus züchten. Ja man gibt jetzt "Großzügigerweise" auch Papiere, aber von Zucht und Ausstellung sind sie ausgeschlossen. Papiere mit großem Stempel " Zucht und Ausstellungsverbot". Nur - - die Gebühren für die weißen Welpen sind die Gleichen!!!
Sie sind nun mal ein dritter Farbschlag - warum werden sie nicht auch als ein solcher behandelt und anerkannt? Niemand sagt, dass sie zum Nachteil der gelben und gestromten Boxer gezüchtet werden sollen. Nur gleiches Recht soll gelten! Die Fakten, die dagegen sprechen, stehen auf tönernen Füßen. Nur der, vor über einhundert Jahren erstellte Standard - der "verleumdende Ruf" der Anfälligkeit von Hautkrankheiten und Taubheit und ein gerüttelt Maß an Vorurteilen. Der prozentuelle Anteil dieser Mängel kommt auch bei farbigen Boxern vor. Nur bei weißen Boxern wird es eben der Farbe zugeschrieben.
Eben. . . . . . . . . . das Vorurteil!
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Ich lebe nun über zehn Jahre mit weißen Boxern zusammen und habe mich in dieser Zeit sehr für die Weißen interessiert. Im In -und Ausland. Von allen Besitzern weißer Boxer, mit denen ich gesprochen habe, konnte mir keiner von irgendwelchen Anomalien erzählen. Als ich meine Weißen aufzog, habe ich sie sehr kritisch beobachtet und war von meinem Handeln gar nicht so überzeugt. Heute weiß ich, dass meine Skepsis unbegründet war und dass man den weißen Boxern ein schreiendes Unrecht zufügt!
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Boxerschau 1912
Man beachte wieviele weiße Boxer!
Weiß/Schecken waren voll integriert!
Boxer - im Wandel der Zeit!